Anerkennung im Ehrenamt oder wie gelingt ein Ausgleich?

 
Wodurch erleben ehrenamtlich und freiwillig Engagierte Anerkennung?

Meist wird davon ausgegangen, dass das Überreichen von Blumen und Gutscheinen, das Einladen zu Dankeschön-Veranstaltungen oder das Verleihen von FreiwilligenPässen und Ehrennadeln per se den Ausgleich und die Anerkennung im freiwilligen Engagement bewirken. Ein Ausgleich misslingt jedoch, wenn die Ausgleichsleistung (Blumen), für das gehalten wird, was den Ausgleich leistet.* Aus Systemischen Strukturaufstellungen von Sparrer und Varga von Kibéd am SySt®-Institut weiß man, dass der eigentliche Ausgleich durch die Anerkennung der Ausgleichsverpflichtung entsteht.

Die Anerkennung der Ausgleichsverpflichtung lässt sich beispielsweise im Gespräch und mit der passenden inneren Haltung gegenüber Engagierten explizit zum Ausdruck bringen:  "Wir als Organisation/Anbieter von freiwilligen Engagements sind uns bewusst, dass wir Ihnen gegenüber eine Ausgleichsverpflichtung haben. Sie schenken uns Ihre Zeit und erhalten dafür kein Honorar. In gewissem Sinne lässt sich das, was Sie uns mit Ihrem Engagement schenken, auch nicht mit Geld und Gegenständen ausgleichen. Für uns bleibt Ihr Engagement ein Geschenk und keine Selbstverständlichkeit und das machen wir uns immer wieder bewusst und sagen auf unterschiedliche Weise Dankeschön." 


Eine passende Ausgleichsleistung macht den Ausgleich perfekt

Wenn die Anerkennung der Ausgleichsverpflichtung den eigentlichen Ausgleich bewirkt, könnte man nicht auf die Idee kommen, dass damit dem Ausgleich Genüge getan ist? So ist es nicht. Wie der Siegellack unter einer Urkunde, so verleiht die Ausgleichsleistung der Anerkennung der Ausgleichsverpflichtung ihre Gültigkeit. Dabei ist jedoch zu beachten: "Wir müssen Ausgleichsleistungen in einer Form und in einem Umfang geben, in dem die Ernsthaftigkeit einer Anerkennung zum Ausdruck kommen kann."* Eine angemessene und passende Ausgleichsleistung muss in der Form und im Umfang zum Engagement und zum Empfänger passen.  Engagementverantwortliche benötigen Wahrnehmungsfähigkeit und Mitgefühl, um sich in Ehrenamtliche hineinversetzen und geeignete Ausgleichsleistungen finden zu können.
 

Auch Ehrenamtliche haben eine Ausgleichsverpflichtung gegenüber der Organisation

Die Fachdiskussion "Anerkennungskultur für Ehrenamtliche" bezieht sich in der Regel nur auf die Ausgleichsverpflichtung und Ausgleichsleistung der Organisation gegenüber den Ehrenamtlichen. Dass die Organisation gegenüber den Ehrenamtlichen ebenfalls als Leistungserbringerin auftritt, gerät manchmal aus dem Blickfeld. Organisationen, die Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zum Engagement geben, ermöglichen ihnen, eine sinnstiftende Tätigkeit auszuüben, die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen einzusetzen und weiterzuentwickeln, neue soziale Kontakte zu knüpfen und Bedeutung in ihrem Umfeld zu erlangen. Dadurch werden Ehrenamtliche auch zu Leistungsempfängern. Damit die Beziehungsbalance wiederhergestellt werden kann, bedeutet es für Ehrenamtliche in gleicher Weise, die  Ausgleichsverpflichtung gegenüber der Organisation anzuerkennen und als Siegellack die Ausgleichsleistung zu erbringen -  beispielsweise, indem Engagementabsprachen verbindlich eingehalten werden.
 

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*Matthias Varga von Kibéd, private Seminarmitschrift, Nov. 2009